Reiseberichte

Der Weg in die Berge des Shan-Staat (Myanmar Trekking I)

Myanmar - Shan-Berge

Wir checken im Ar Yone Oo Guest House ein. Das einzigen Hotel in Kyaukme, dass ein Permit für Ausländer-Beherbergung in diesem untouristischen Ort hat. Es hat nichts gemeinsam mit dem überkandidelten Golfer-Hotel aus Pin Oo Lwin. Nur ein Bett und eine Dusche – mehr nicht.

*Knock, Knock* Es klopft an der Tür und ich öffne. Ein quirliger, kleiner Mann, in seinen Endzwanzigern oder Anfang dreissig steht davor. Es ist Thura.
Er lächelt, wie er es auch für die nächsten drei Tage tun wird. Aufgeregt erklärt er uns den Ablauf zum Trek, der am nächsten Morgen bereits um 6 Uhr starten sollte.

Voller Stolz erzählt er uns noch, dass vor ein paar Tagen eine Autorin von Stefan Loose bei ihm war und er eine Wander-Karte für sie gezeichnet hat, die wohl in einem der nächsten Reiseführer für Myanmar abgedruckt werden sollte (Falls jemand im Besitz der aktuelle Ausgabe ist, hat es die Wanderrute für Kyaukme in den Reiseführer geschafft? Würde mich da über einen Kommentar freuen!).

Mit Motorrädern werden wir am ersten Tag in die Berge fahren. Danach geht’s für drei Tage zu Fuss weiter, bis wir wieder an den Bikes ankommen sollen.

Wie verabredet treffen wir uns zum Frühstück im Hotel. Thura ist pünktlich, allerdings ist er nicht allein, sondern bringt ein weiteres Pärchen mit. Sie schliessen sich uns für den Trek an. Sie sind gerade erst angekommen und so erklärt Thura ihnen noch einmal kurz den Ablauf.

Nachdem die Formalitäten geklärt sind, geht’s zum Motorrad-Verleih. Naja – eigentlich ist der Motorradverleih vielmehr ein Hinterhof mit vier chinesischen Motorbikes. Vier Personen – vier Bikes – grosse Auswahl.
Bei der Probefahrt stellt sich heraus, dass die chinesische Variante für Menschen mit einer Durchschnittsgrösse von 1,60m entwickelt wurde. Grosse Europäer mit 1,90m Körpergrösse gehörten scheinbar nicht die Zielgruppe.

Ich sitze also das erste Mal auf einer solchen Maschine und frage mich, ob die verzögerte Bremswirkung von meinem Mehr-Gewicht oder dem nicht ganz TÜV Konformen Zustand des Fahrzeugs kommt. Vielleicht ist es auch einfach eine Kombination aus beidem.
Eine weitere Ungewöhnlichkeit – das Ding hat noch eine Rücktrittbremse fürs Hinterrad. Die Vorderradbremse sitzt da, wo bei mir am Fahrrad die Rückradbremse sitzt und der andere Griff wird für die Kupplung verwendet.
Dennoch geht’s los – wird schon schiefgehen…

Myanmar - Shan-Berge Scooter

Schon auf dem Weg zum Tanken – Schlaglöcher überall auf der Strasse. Das Tempo ist mir nicht geheuer und es kommt es wie es kommen musste, ich will bremsen, doch ziehe aus reiner Gewohnheit die Vorderradbremse.

Der Lenker bricht aus und ich liege flach. *Shit*
Ich springe wieder auf das chinesische Monster und lasse mir nichts anmerken.
Freunde werden wir wohl keine mehr…

Mit aufgeschürften Hände, eine zerfetzte kurze Hose (die leider meine einzige für den Trek war) und mein angeknackster Stolz, komme ich eigentlich ganz gut davon.
Doch der Sturz prägt mich und ich versuche nicht mehr als 40 Sachen zu fahren. Die anderen verfluchen mich. Ich verfluche die Strasse, die offenbar noch aus Kolonialzeiten stammt.

Wir halten nach vier Stunden Fahrt an einer Art Trucker Stop. Thura empfiehlt uns den Tee-Salat. Ja – richtig gelesen. Ein Salat aus Teeblättern.
Er schmeckt fantastisch und ich bin total fasziniert von dem aussergewöhnlichen Gericht.

Gestärkt fahren wir weiter – immer weiter hoch in die Berge des Shan-Staates. Die Strassen haben inzwischen keine Krater mehr. Wie auch, der Strassenbelag besteht nur noch aus Sand, Schlamm und grossem Geröll. Ich reduziere mein selbstauferlegtes Speedlimit auch 20 km/h.
Inzwischen geniessen die anderen die bergige Landschaft – ich konzentriere mich nur noch auf die Felsen, die scheinbar immer wieder aus dem Nichts heraus vor mir auftauchen.

Myanmar - Shan-Berge Strassen

Endlich ein weiterer Stopp und vor uns eröffnet sich ein Panorama das ich so nie in Myanmar erahnt hätte.

Myanmar - Bergwelt Trekking

Vor uns liegt das erste Dorf in den Bergen und das andere Pärchen möchte hier ein paar alte Kleider verschenken.

Autos fahrens schon lange keine mehr – fortbewegt wird sich entweder zu Fuss, auf Pferdekutschen oder wer zur Oberschicht der Shan gehört, kann sich auch einen Scooter leisten. Auch Strom gibt es nur noch von Generatoren und diese sind nicht überall vorhanden. Fließendes Wasser ist nur noch an einem Dorfbrunnen vorhanden.

Ich stelle mir vor, dass Deutsche so wohl noch im Mittelalter gelebt hatten.

Myanmar - Shan-Berge Dorf

Eine grössere Familie, mit mehreren Kindern, bekommt einen Grossteil der Kleider geschenkt. Als Dank laden sie uns zum Tee in ihr Stelzenhaus ein. Eigentlich ist es vielmehr eine Hütte auf Pfählen, aufgeteilt in zwei Räume. Ein grosser als Wohn- und Kochraum (mit einer Feuerstelle) und ein kleinerer, abgetrennt zum Schlafen für die gesamte Familie.

Myanmar - Shan-Berge Stelzenhaus

Ständig rennen die Kinder lachend und aufgeregt um uns herum. Man merkt ihnen an, dass hier oben nicht häufig Touristen zu Besuch sind.
Natürlich haben wir auch etwas für die Dorfbewohner eingepackt. Hauptsächlich für die Kids – Luftballons und Kaugummis. Wir verschenken davon einige und das kleinste Familienmitglied, noch fast ein Baby, freut sich so sehr über den Luftballon, dass es zu weinen beginnt.

Myanmar - Shan-Berge Baby und Ballon

Was für ein krasser Unterschied. Hier am anderen Ende der Welt – ohne TV, Internet, Handys und all die technologischen Wunder der modernen Welt.

Weiter geht es hier:

Patrick
written by: Patrick

3 Comments

  • Ahaa, klasse, dass Oliver Euch vorgestellt hat, ich musste hier gleich mal reinschnuppern, denn auch wenn Asien derzeit nicht auf der aktuellen Reiseliste steht, fliegt diese Woche eine Freundin nach Myanmar – wie praktisch, werd ich Euch gleich mal als Lektüre empfehlen. Sehr schön geschrieben, liest sich spannend und leicht runter.
    VG/inka

    • Hey Inka,
      Oli und sei Blogschau sei Dank und dir muchas gracias für die Blumen :)
      Die Glückliche! Myanmar ist echt der Hammer – mein (Südost-)Asienfavorit. Wie lang ist sie denn in Myanmar unterwegs und was steht denn aktuell bei dir auf der Reiseliste?
      Patrick

Leave a Comment