Reiseberichte

Don’t take a bus in Myanmar! Aber ich kann ja nicht hören…

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Mehrere Stunden Fahrt in einem Kleinbus mit geschätzten 40 Passagieren. Es war eine verflucht unbequeme Art zu reisen, aber es hat sich gelohnt!

Doch fangen wir erst mal ganz am Anfang an. Wir kauften uns zwei Bustickets, trotz der freundlichen „Warnungen“, bei uns im Princess Garden Hotel.
Gegen 5 Uhr morgens wurden wir an einem kleinen Restaurant in Shwenyaung aufgesammelt. Im Bus waren noch vier andere, jüngere Mitfahrer und so war mehr als genug Platz. Mal abgesehen vom Abstand zwischen den Sitzreihen. Denn der war für die asiatische Körpergrösse ausgelegt und ich mit meinen 1,90 Meter bohrte da meinem Vordermann doch etwas die Knie in den Rücken.

Sollte das etwa schon alles sein, weshalb man uns von der Busfahrt abgeraten hatte? Hmm…

Nach ungefähr 30 min hielten wir an einer kleinen Lagerhalle an. Alle stiegen aus und verschwanden in der Halle. Niemand sprach auch nur ein Wort mit uns. Das lag wohl daran, das offenbar niemand dem Englisch mächtig war – nicht einmal der Fahrer. Irgendwie cool, fand ich – denn es ist doch ein guter Indiz dafür, dass so wohl nicht sonderlich viel Touristen reisten. Und wer kommunizieren will, der findet immer einen Weg…
Also blieben wir zurück am Bus und warteten. Vollgepackt mit Säcken voller Bohnen kamen die Jungs wieder zurück und schmissen diese in den hinteren Teil des Busses. Danach verschwanden Sie wieder in der Halle, um anschliessend mit der nächsten Ladung Säcke aufzutauchen. Das Ganze Prozedere wiederholte sich ein paar Mal, bis der Bus (nach meinem, deutschen Massstab) voll bepackt war.

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Wir fuhren weiter – ungefähr 2 Stunden ohne Stopp. Dann kam sie, die erste Haltestelle. Ein ganzer Haufen Menschen stand am Strassenrand und offensichtlich wollten alle mit nach Mandalay. „Arme Leute – warten in den frühen morgen Stunden und nun kann nur die Hälfte mit.“, dachte ich mir. Bullshit! Alle kamen mit – keiner wurde zurückgelassen. Der Bus war weit mehr als voll.

Shit – da ist U-Bahn fahren in London zur Rushhour nen Scheiss dagegen…

Nach weiten 30 min, der nächste Halt. Gut! Gleich wird’s leerer, wenn die Ersten aussteigen. Doch anstatt Aussteigen, steigen weitere hinzu oder besser drauf. Sie klettern aufs Dach.
Leider konnte ich kein Foto machen, da ich ziemlich eingequetscht am falschen Ende sass um kurz auszusteigen…

Die Fahrt verlief ohne weitere Haltestationen bis zu einem Stopp an einer Berg Abfahrt. Wunderbar, endlich die steifen Beine vertreten und etwas gegen die bevorstehende Thrombose tun. Der Fahrer nutze die Zeit allerdings nicht Pausieren – er griff an der Haltestation zu einem Wasserschlauch. Wollte er ernsthaft auf der Berg Abfahrt seinen Bus waschen?
Nö – er legte den Schlauch unter das Auto und kühlte die Bremsen. Sehr gut! Ein Busfahrer der Wert auf Sicherheit legt!

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Mir wurde etwas mulmig…

Als die Bremsen scheinbar wieder normale Betriebstemperatur erreicht hatten, ging die Abfahrt weiter. Wie das Schicksal so will, fuhren wir an einem Bus vorbei, dessen Busfahrer nicht so sicherheitsfanatisch erschien wie der unsere. Er schien eine Kurve nicht richtig erwischt, die Kontrolle über das Fahrzeug verloren zu haben, von der Strasse abgekommen und dann den Abhang runter gestürzt zu sein.

Eine Menge Leute versammelten sich um den Unfallort und versuchten mit Seiten das Fahrzeug wieder auf die Strasse zu bekommen. Verunglückt schien keiner wirklich zu sein.
Wir hielten nicht an und fuhren direkt weiter. Eventuell konnten wir auch nicht halten – wer weiss :)

Die restliche Fahrt verlief weniger spektakulär. Einige Leute stiegen an Haltestellen ab und mehr stiegen wieder auf. Es war ziemlich krass voll. Die gesamte Reisezeit in Myanmar habe ich nie wirklich unentspannte Menschen gesehen. Gelassenheit war hier allgegenwärtig. Ausser auf dieser Busfahrt. Einige Gesichter waren vom Stress der Fahrt wirklich gezeichnet.

Trotz all dem Stress zu wider war es eine fantastische Erfahrung. Viele der Mitfahrer waren total fasziniert davon Europäer in dem Bus zu sehen. Drei Stunden lang, saß beispielsweise ein Junge neben mir, der mich ununterbrochen bestaunte und total neugierig war.

Patrick
written by: Patrick

9 Comments

  • Ich habe genau den gleichen Bus genommen. Ich hatte einen etwas grösseren und angenehmeren Bus, der aber jeden Kühlschrank wie eine Sauna hat wirken lassen. Extremste Klimaanlage. Das unangenehmste war jedoch, dass wir mit einem Taxi zur Kreuzung gefahren wurde und es dann hiess: „Euer Bus kommt in 5 Minuten. Er ist nicht angeschrieben, also müsst ihr euch durchfragen“. Naja, der Bus kam nach etwa 2,5 Stunden… Aber was solls. Wenn man erwartet, dass alles wie zu hause funktioniert, kann man ja auch zu hause bleiben. :)

  • Hey Oli,
    danke für deinen Kommentar :)
    Dieses Tieftruhengefühl kenne ich nur zu gut. Auf Bali hatte unserer Busfahrer auch den Drang uns was Gutes tun zu müssen…
    Auch das mit der Kreuzung lief bei uns gleich. Uns hatte der Wirt vom „Cafe“ dann gesagt, welcher Bus nach Mandalay fährt.
    Es war allerdings schon seltsam. Wir waren am morgen recht verunsichert, da erst der dritte Bus dann wirklich der richtige war.
    Im Nachhinein wars echt ne coole Sache
    Patrick

  • Hi Patrick,
    wow, das hört sich schon sehr aufregend an. Ich war „nur“ mit den Überlandbussen, aber nie mit den kleinen unterwegs. Einmal hatte ich einen Platten, aber sonst keine bemerkenswerteren Probleme. Wahrscheinlich ist die Strecke bekannt für Unfälle oder ähnliches.
    Sehr netter Zufall: Ich war ebenfalls im Princess Garden. Das schönste Hotel meines Myanmar Aufenthalts!
    Viele Grüße
    Mandy

  • Hi Mandy,
    autsch – ein Platten ist aber auch nicht grade toll. Wie lange musstet ihr denn warten, bis der geflickt wurde?
    Die Fahrt war wirklich aussergewöhnlich und ich kann sie nur empfehlen (sieht man mal von den Unbequemlichkeiten ab).
    Man kommt mit den Einheimischen viel leichter in Kontakt, auch ohne touristische Hintergedanken.

    Princess Garden ist wunderschön – es passt super zum Inle See. Perfekt zum relaxen :)
    Patrick

  • :-D Aeusserst koestlich der Bericht! Und erinnert mich an Nepal, als uns Bananen ins Genick geladen wurden, bis der Sitz noch nicht mal mehr senkrecht stand, sondern nach vorne uebergebaeugt. Bei einer Pinkelpause sollte man sich eben zweimal ueberlegen, ob man aussteigt – man weiss nie, was einen nachher erwartet! ;-)

    • Das kommt mir bekannt vor ;)
      Wobei ich immer froh war, meine Beine mal ausstrecken zu können. Als Europäer ist man doch etwas grösser gebaut, als die Asiaten.
      Die Klappmesserhaltung war für mich doch ziemlich ungewohnt :D

  • Hallo Patrick,
    ich coache gerade deinen Papa Lothar beim Bühnenstanding. Er hat mir von deinem Blog erzählt. ich find ihn ganz witzig. Besonders interessiert`s mich, wie es euch geht, wenn ihr ein ganzes Jahr unterwegs seid.
    Ich bin auch schon ziemlich rumgekommen. Seit 2013 schreib ich am Blog „Unterwegs“.
    http://www.dietmar2013.blog.de
    Kannst ja mal reinschauen
    Dietmar

    • Hi Dietmar,
      wie es uns auf unserer Weltreise ergeht, wirst du hier immer nachlesen können. Freut mich, wenn’s dir soweit gefällt und du natürlich wiederkommst ;)
      Werd doch gleich mal bei dir vorbeischauen.
      Patrick

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