Reiseberichte

Ein Bett im Kornfeld oder so

Campen-01

Brüllender Löwe

Es war einer dieser quälenden nächtlichen Toilettengänge. Eine dieser Nächte in der ich mich quälend im Schlafsack hin und her wälzte und mir die Frage stellte: „Warum zum Geier hab ich nur so viel Bier getrunken?“. Dann schlussendlich gewann der Drang. Ich pulte mich fluchend aus dem warmen, kuscheligen Schlafsack und trat mürrisch den zwanzig Meter langen Weg zum Waschhaus an.
Die Taschenlampe lässt auf dem Weg alles gespenstisch in Schwarz-Weiss erscheinen. Auf der linken Seite eine typische afrikanische Schirmakazie. Auf der rechten Seite ein mittelhoher Busch und dahinter ein grosser schwarzer Stein. Die ungewohnten Geräusche der Wildnis geben ihren Rest zum Szenario.

Die Hälfte des Weges war geschafft. Nur noch wenige Meter zur Erleichterung. Doch Moment mal – ein grosser schwarzer Stein? Mein Erinnerungsvermögen wollte beim besten Willen keinen Stein mehr in die grüne Graslandschaft malen…
Also gleich nochmals die Taschenlampe darauf fokussiert. Just in dem Moment fängt der Stein sich auch schon zu bewegen an, läuft ein paar Schritte direkt auf den Weg vor mir und guckt mich mit funkelnden Augen an. Ein grosser, schwarzer Stein mit funkelnden Augen also? Und er stellt sich meine Toilettendrang in den Weg. Ganz grosses Kino!

Nur eine Sekunde später bin ich kein bisschen Müde mehr. Adrenalin tut da sein Bestes zu und lässt mich so gleich auch erkennen, dass es mit dem weiteren Weg zum WC wohl nichts mehr werden würde.
Denn der vermeintliche Stein stellt sich als Hippo heraus. Ihm schien offenbar das Gras um unser Zelt herum besonders gut zu schmecken.
„Fressen Hippos auch Menschen? So als Snack zwischen durch?“

Solche Gedanken fand ich ziemlich bescheiden und stand also da, dem tödlichsten Wildtier Afrikas Auge in Auge gegenüber. Ich beschliesse mich langsam zurück zu ziehen und meinem Drang anderswo nachzugehen. Das Hippo seinerseits streicht mich zugleich von seinem Speiseplan und vergnügt sich weiter mit dem Gras.

Am kommenden Abend war das Bier von meiner Getränkeliste gestrichen.

Hippo

Patrick
written by: Patrick

4 Comments

  • Da wäre mir aber das Herz in die Hose gerutscht… Wir waren zweimal in St. Lucia in SA, dort kann man manchmal Nachts innerhalb der Ortschaft auf Hippos treffen. Das war immer meine Horrorvorstellung, wenn wir im Dunklen zu unserem Guesthouse unterwegs waren. Danke, dass du uns hast teilhaben lassen, das ist schon ziemlich besonders :)

    • Das mit dem Herzen kann ich gut nachvollziehen. St. Lucia wetland Park waren wir auch einmal. Hippos gabs dort für uns allerdings keine zu sehen. Warnschilder allerdings schon ;)
      Möchte das auch nicht unbedingt nochmals erleben. Das soll eine „once in a livetime experience“ bleiben :D

  • Das ist ja mal richtig genial geschrieben. Ich fühl mich fast als wäre ich dabei gewesen.
    Und wir fanden es schon echt spannend als ein Elefant ganz nah um unser Lodge-Zelt gestapft ist, aber das hier war ja nochmal ne ganze Ecke aufregender!
    LG Annika

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