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Into the Wilderness – Grizzlys hautnah

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Ersterer ist, obwohl er durchschnittlich gerade mal fast schon lächerliche 120 kg auf die Waage bringt, überhaupt nicht schüchtern. Er tummelt sich gerne auch in der Nähe von menschlichen und urbanen Gegenden herum. Deshalb ist der Schwarzbär genau der Geselle, der auf den Campgrounds gerne mal die Kühlbox plündert. Für so ein plump scheinendes Tier beherrscht er das Klettern fast schon perfektionistisch und ist zudem noch ziemlich flink unterwegs.
Überraschenderweise stieg die Population der Schwarzbären in den letzten Jahren immer mehr an.

„Wer sich in einem offenem Gelände mit einem Bären befindet, sollte besser die Füsse in die Hand nehmen. So hat er zumindest die letzten sieben Sekunden seines Lebens etwas zu tun.“ – Bill Bryson

Dann gibt es da noch letzteren, den Braunbären oder besser bekannt als Grizzly, der im Gegensatz zu seinem kleineren Verwandten bis zu über 600 kg wiegen kann und wesentlich stattlicher daherkommt. Viel langsamer läuft er deshalb dennoch nicht und schafft es trotz seines massigen Gewichtes auf bis zu 60km/h. Um es mal mit den Worten von Bill Bryson zu beschreiben: „Wer sich in einem offenem Gelände mit einem Bären befindet, sollte besser die Füsse in die Hand nehmen. So hat er zumindest die letzten sieben Sekunden seines Lebens etwas zu tun.“ Eventuell ist sein Gewicht aber der Grund weshalb die Grizzlys aufs Klettern gern verzichten. Zudem gilt er als wesentlich gefährlicher als der Schwarzbär. Wohl vor allem deshalb, weil er äusserst leicht in Rage verfällt. Gerade Mütter-Bären finden unbedarfte Touristen, die ihre Kleinen zum streicheln gern haben, nicht gerade amüsant und man ist gut beraten um diese Bärenmütter einen grossen Bogen zu machen.
Doch nicht nur unvorsichtige Touristen können Opfer von Meister Petz werden:
So war der 46-jährige Timothy Dreadwell, ein bekannter US-amerikanischer Tierfilmer und Grizzly-Liebhaber, im Sommer 2003 mit seiner Freundin zu einer Expedition nach Alaska aufgebrochen. So wie er es bereits unzählige Male zuvor tat. Nachdem er an einem vereinbarten Tag nicht seine Heimreise antrat, schickte man eine Gruppe Ranger auf die Suche nach Dreadwell und seiner Freundin. Man fand die beiden mitten in der Wildnis Alaskas. Allerdings nur zur Hälfte – Grizzlys hatten die beiden zerfetzt, dann halb verspeist und die Überreste in ihre Futterverstecke gebracht.
Also kurzum, Bären und vor allem Grizzlys sind gefährliche, wilde Tiere. Selbst wenn sie nicht unbedingt den Anschein danach machen – eine grosse Portion Respekt und einige Meter Abstand sind mehr als angebracht (das gilt im übrigen auch für Schwarzbären). Auch dem Bären zu liebe! Deren Schicksal endet zumeist mit dem Tod, kommt es zu einem Zwischenfall.
Leider ergeht es den Grizzlys ganz anders als deren Verwandten den Schwarzbären, denn diese beeindruckende Gattung verschwindet immer mehr von der Bildfläche Nordamerikas.

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Glücklicherweise gibt es noch immer die Möglichkeit, einige dieser grossartigen Tiere in der freien Natur zu beobachten. Gerade in Kanada werden viele Grizzly-Touren angeboten. Die Touren führen meist in den wilderen, unbesiedelteren Norden British Columbias. Diese Gegenden kann man oft nur per Boot oder Flugzeug erreichen – Strassen dorthin gibt es meist nicht. Man wird entführt in eine wilde, unberührte Natur. Durch felsige Waldlandschaften ziehen sich milchig türkisfarbene Flüsse in denen sich von Anfang September bis Ende Oktober unzählige Lachse tummeln, die sich auf dem Weg zum Laichen befinden. Genau diese Lachse ziehen die Grizzlys dann in die Täler zu den Flussufern. Die Bären, die sich noch für den Winterschlaf einen saftigen Speck anfressen müssen, verputzen dort dann unzählige Fische.
Alleine schon wegen der beeindruckenden Landschaft British Columbias ist eine solche Tour erlebenswert. Trifft man dann noch auf einen der besagten Bären, dann sprudeln die Endorphine mal so richtig los.

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Hilfreiches

  • Eine der besten Möglichkeit Grizzlys in Kanada zu beobachten, hast du im nördlichen British Columbia.
    Wie oben beschrieben, führen oftmals keine Strassen zu den Grizzly-Gebieten. Am sinnvollsten sind Touren von Vancouver Island zu buchen und dann bei einer Tagestour mit dem Schnellboot zum östlichen Festland zu fahren.
    Touren werden hauptsächlich im nördlichen Vancouver Island angeboten. Die erste Stadt, die man von Süden aus erreichen kann und von denen Grizzly-Touren aus starten, ist Campbell River.
  • Buchst du deine Grizzly-Tour von Vancouver Island aus und fährst ins nördliche British Columbia, dann hast du bei der Überfahrt mit dem Boot gute Möglichkeiten auch Wale zu sehen.
  • Grizzlys gibt es auch in einigen Nationalparks Kanadas (wie z.B. Jasper und Banff). Man sieht diese dort allerdings sehr selten. Falls du gerne Wandern gehst, denke daran immer unterwegs genügend lärm zu machen, damit es auch nicht zu einer überraschenden Begegnung kommt.
    Eine Übersicht der Grizzly Population findest du auf der Webseite der „Parks Canada“.
  • Falls du die Tiere nicht nur sehen, sondern auch fotografieren willst, solltest du ein gutes Superteleobjektiv (200mm ist schon ziemlich knapp, 300mm und mehr sind da weit besser) einpacken. Die Bären sind meistens weit (ca. 20-50 Meter) entfernt. Es kann allerdings auch vorkommen, dass man einen Grizzly auf drei Meter nahe kommt. Dann allerdings aus einem geschützten Fahrzeug heraus.
    Ein Stativ ist ebenfalls ziemlich hilfreich, da durch die hohen Bäume des Waldes oft keine guten Lichtverhältnisse herrschen. Es geht notfalls auch ohne.
    Du findest mehr Informationen zum Fotografieren von Wildtieren in meinem Beitrag zu Fotosafaris.
  • Wer auf eine Grizzly-Tour geht, sollte morgens auf stark riechende Deos, Haarsprays usw. verzichten. Grizzlys haben einen überaus sensiblen Geruchssinn und ein süsslich riechendes Parfüm kann bei den Bären den Appetit anregen.
    Zudem sollte man keinerlei Speisen mit sich führen. Hier gilt gleiches wie oben – die Bären riechen sowas!
    Für die Überfahrt mit dem Boot kann natürlich etwas zu Essen mitgenommen werden.
  • Ich habe die Grizzly-Tour selbst mit Discovery Marine Safaris in Campbell River gemacht und kann diese nur uneingeschränkt weiter empfehlen. Es gibt aber noch unzählige andere Anbieter – Tripadvisor und Google helfen euch da weiter.
  • Direkt bei Campbell River hat es den wunderschönen Elk Falls Provincial Park Campground. Dort haben wir morgens, vor unserer Grizzly-Tour noch einen Schwarzbären beim Lachse fangen beobachten können.
    Da der Park ein „Public Campground“ ist, ist dieser mit 20,- CAD pro Stellplatz ziemlich günstig. Die Plätze sind schön in den Wald integriert und man bekommt von seinen Nachbarn eigentlich kaum etwas mit. Allerdings gilt das „First Come First Serve“ Prinzip – möchtest ganz sicher einen Stellplatz erhalten, solltest du schon früh morgens dort sein und dir einen schönen Platz reservieren.
  • Die Preise für die Grizzly Touren sind nicht ganz günstig, man bezahlt pro Person zwischen 180,- bis 250,- €.
  • Falls du noch ein wenig Kanada-Feeling in Buchform möchtest, kann ich dir den Roman von Bill Bryson „Picknick mit Bären“ ans Herz legen. Das Buch ist humorvoll geschrieben und bringt doch einige Infos (gerade auch zu Bären) rüber. Es handelt zwar vom US-amerikanischen Appalachian Trail, es passt aber auch wunderbar zu Kanadas Wildnis.
    Das Buch wurde zudem kürzlich mit Robert Redford verfilmt und läuft aktuell (2015) in den Kinos.
Patrick
written by: Patrick