Reiseberichte

Top-End in Down-Under

Salzwasser Krokodil im Yellow Water River im Kakadu Nationalpark AustralienSalzwasser Krokodil im Yellow Water River im Kakadu Nationalpark Australien

Schni schna Schnappi

Wenn man bei rund 35°C bereits beim Nichtstun literweise Schweiss produziert, dann ist die Verlockung einer kurzen Abkühlung in einem der vielen Seen und Flüsse des Northern Territories sehr gross. Gibt man dieser verführerischen Versuchung nach, dann setzt man sich unweigerlich dem Risiko aus, einem Krokodil als Mahlzeit zu dienen. Dieses Raubtier ist nämlich nicht sonderlich wählerisch was sein Fressen betrifft. Alles was sich im und am Wasser bewegt, wird wenn möglich verspeist. Und fast jedes Gewässer im Top End und auch darüber hinaus im nördlichen Westaustralien, ist von den prähistorischen Reptilien besiedelt.
Mein erster Eindruck dieser Tiere war eigentlich gar nicht sonderlich angsteinflössend. Schwimmend im Wasser sehen Krokodile eigentlich fast schon elegant aus. Geräuschlos gleiten sie durch einen Fluss und machen einen nicht sonderlich gewaltigen Eindruck.

Schwimmendes Krokodil in einem Fluss südlich von Darwin

Aber das täuscht gewaltig! Denn wer erst mal Krokodile aus dem Wasser hat springen sehen, der weiss wie gigantisch und mächtig diese Raubtiere sind.
Ich buchte mir ein Ticket für die „Jumping Crocodiles Touren“, irgendwo zwischen Darwin und dem Kakadu-Nationalpark. Bei diesen Touren schippert man auf einem der nahegelegenen Flüsse entlang. Angezogen vom Motorengeräusch kommen bereits nach wenigen Minuten die ersten schuppigen Tierchen angeschwommen. Noch bevor einer der Tour-Guides die typischen Sicherheitsinformationen zu Schwimmwesten und all dem was man so auf jedem Boot erzählt bekommt, wiedergeben kann. Wobei, eine Warnung war doch etwas aussergewöhnlich und ist mir besonders in Erinnerung geblieben: „Bitte nicht die Arme hinausstrecken und sich nicht über die Reling lehnen!“
Denn der Name der Touren kommt ja nicht von ungefähr. Und verdammt nochmal, diese Viecher springen hoch! Sehr hoch! Locker mal so an die 3 Meter und das ist keine Übertreibung. Ein Foto gefällig?

Jumping Crocodile im Northern Territory Australien

Nun, ich ergänze da noch gerne, dass diese Tiere im Schnitt gut an die fünf Meter gross werden. Das sind ungefähr drei Menschen mit durchschnittlicher Grösse übereinander gestapelt. Ich bin mir ziemlich sicher, jeder bei gesundem Menschenverstand wird nach einem solchen Spektakel zukünftig gerne auf ein kühles Bad in diesen Gewässern verzichten.
Es leuchtet einem dann auch ein, weshalb man in Darwin an wunderschönen Sandstränden spazieren gehen kann, aber trotz der Hitze und der eigentlich angenehmen Wassertemperaturen, niemals jemanden im Meer schwimmen sieht. Denn die Krokodile sind nicht nur in den Süsswasser-Seen und -Flüssen zu finden sind, sondern machen auch hin und wieder mal einen Abstecher ins offene Meer.

Wundersam ist es allerdings, dass Australier einige Strassen direkt durch Flussfurten bauen, die dann zur Regenzeit überschwemmt werden. In diesen können sich dann die alles andere als putzigen Tierchen aufhalten. Man fährt also direkt durch ein Gewässer, in dem möglicherweise ein Krokodil nur darauf wartet, dass man bei der Durchfahrt gezwungen wird, sich ins Nass zu begeben. Ein Mitteleuropäer würde vermutlich eine Brücken darüber bauen. Aber in Australien? Fehlanzeige! Weshalb ist mir absolut schleierhaft. Schon mal einen Fluss durchfahren? Nein? Dann lass dir gesagt sein, dass man sich nie so richtig sicher sein kann, ob man auch wirklich die andere Seite erreicht. Es passiert nicht unbedingt selten, dass man auf halber Strecke im Fluss stecken bleibt. Deshalb lass ich die folgenden Bilder einfach mal auf euch wirken.

Leistenkrokodile im Kakadu Nationalpark Australien

Flussdurchfahrt durch Krokodil-Gewässer in Australien

Alle Vögel sind schon da

Mal ganz abgesehen von den vielen Krokodilen, hat das Top-End Australiens eine wirklich beeindruckende Tierdichte. Im Kakadu-Nationalpark lässt sich diese wohl am besten beobachten. Ich habe noch nirgends, ja auch nicht in Afrika, eine so hohe Dichte an Vögeln gesehen, wie im Kakadu-Nationalpark. Es gibt eine Vielzahl an Papageien und buntem VogelGefieder, dass jedem Vogelliebhaber die Herzen höher schlagen lassen dürfte.

Eisvogel im Kakadu Nationalpark Australien

Schlangenhalsvogel wärmt sich in der australischen Sonne

Papagei im Kakadu Nationalpark Australien

Was man sich bei uns in Deutschland kaum vorstellen kann, ist der Lärm den dieses hübsch anzuschauenden Vogelvieh von sich geben kann. Allen voran die Kakadus, die bei uns ja als Haustiere gehaltene werden, schreien sich förmlich die Lungen aus dem Hals.
Irgendein Brite hatte zu Kolonialzeiten dieses kreischende Getier mit nach Europa gebracht. Ich bin davon überzeugt, dass er denjenigen, dem er diese Schreihälse als Haustiere mitgebracht hatte, nicht sonderlich gut leiden konnte.

Einen ganz besonderer Moment erlebte ich an meinem ersten Abend im Kakadu-Nationalpark. Die Sonne war bereits am untergehen und sie schien nur noch leicht zwischen den Bäumen hindurch. Da flog auf einmal ein „Flying Fox“ über mich hinweg. Kurz darauf ein weiterer und dann noch einer. Es wurden immer mehr. Bis eine ganze Schar dieser riesigen Fledermausart den Abendhimmel verdunkelte. An die Tausende flogen über mich hinweg.
Ein unglaubliches Gefühl, eben mitten drin statt nur dabei.

Vogelscharen an einem Billabong im Kakadu Nationalpark Australien

Yellow River

Flussfahrten sind ja eigentlich eher was fürs Kaffee und Kuchen Semester. Zumindest bei uns daheim. Im Kakadu-Nationalpark sieht das etwas anders aus. Nirgends sonst in Australien empfand ich die Natur idyllischer, als auf dem Yellow Water River. Morgens zur Dämmerung bedeckt ein dichter Nebel den Fluss und die Billabongs (Wasserlöcher) des Yellow Water. Die morgendliche Sonne taucht das tropische Grün in ein goldenes warmes Licht. Die Gegend wirkt so friedlich und ruhig. Aber genau an solch einem Ort tummeln sich die Leistenkrokodile. Zu sehen bekommt man sie allerdings nicht. Zumindest nicht sofort.
Nun, wie meinte der Bootsfahrer: „Für jedes Krokodil, das wir hier im Yellow Water sehen, sind wir bereits an fünf weiteren vorbei gefahren.“

Morgendunst auf dem Yellow Waters Billabong Australien

Touristenboot auf dem Yellow Waters Billabong Australien

Sonnenaufgang über dem Yellow Waters Billabong Australien

Summer in the city

Ach, ich hab ja noch gar nichts zu Darwin geschrieben. Das hat auch seinen Grund: es gibt nicht viel zu erzählen. Naja, vielleicht, dass der Ort im Oktober beginnt unerträglich warm zu werden. Ansonsten ist der Ort recht verschlafen. Obwohl er mit über 120.000 Einwohnern eigentlich kein kleines Provinznest ist.
Ein einziges Highlight, zumindest für mich, war der wöchentliche Sunset-Markt. Bands spielen Livemusik, es gibt Streetfood, Gaukler versuchen ihr Publikum zu animieren und es gibt eine Menge Kunsthandwerk zu bestaunen.
Manchmal tanzt ein Aboriginal mit abgefahrenen Moves zur Didgeridoo Musik. Zumeist betrunken und wirkten wie in Trance. Aboriginals sind eine sonderbare und gebrandmarkte Gemeinschaft, aber darauf will ich ein andermal eingehen.

Musiker mit Didgeridoo Anlage im Northern Territory Australien

Patrick
written by: Patrick

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