Reiseberichte

Meeresfanatiker, Sonnenanbeter und Strandliebhaber

Seychellen-Namibia-Botsuana-004Seychellen - Traumaussicht auf den indischen Ozean

Gerade angekommen besorgten Chrissy und ich voller Vorfreude unseren Mietwagen. Ein Kia Kleinwagen – mit dem Lenkrad auf der falschen Seite und manueller Schaltung. Auch hier haben scheinbar die Britten zu Kolonialzeiten den Strassenverkehr leicht verhunzt. Das verbeulte Gerät war mir nicht ganz so geheuer (das Bild unten täuscht gewaltig) – aber was solls, Sixt hat einen guten Ruf und der sollte auch hier auf dem kleinen Eiland angekommen sein.

Seychellen - Unser Auto

Unsere kleine Villa liegt oben am Hang des Berges. Wir mussten also eine ziemlich steile Strasse hinauf. Auf dieser konnte eigentlich nur ein Auto gleichzeitig fahren – so schmal war sie gebaut. Rechts der Strasse, der blanke Felsen und links davon eine Regenkuhle. Na herzlichen Glückwunsch beim Gegenverkehr.

Da fängt auch bereits das Fahrzeug mit den ersten Zickereien an. Scheinbar ist unser Gepäck zu schwer oder vielleicht wars auch das Frühstück im Flieger. Auf jeden Fall brachte das Auto im 2. Gang nicht mehr genug Leistung für den Aufstieg und so mussten wir den Rest des Berges im 1. Gang nach oben “düsen”.

Angekommen war der Eindruck der Villa wunderbar. Scheinbar erst vor kurzem gebaut und war noch in privater Hand einer freundlichen Seychellerin. Die Villa bot uns eine offene riesige Küche, das Schlafzimmer mit Türen direkt auf die Veranda und von der Veranda aus bot sich ein atemberaubender Blick direkt auf den indischen Ozean (siehe Bild unten).

Seychellen - Blick von der Veranda

Die Besitzerin empfahl uns an diesem Abend noch einen Markt, direkt am Strand der Bucht von Beau Vallon. Dazu müssen wir durch die Hauptstadt Victoria.

Hauptstadt klingt wahnsinnig riesig – hingegen hat das relaxte Örtchen Victoria gerade mal an die 25.000 Einwohner. Ist nach eigenen Angaben die kleinste Hauptstadt der Welt. Bis vor kurzem hatte es hier gerade mal eine einzige Ampel. Durch das steigende Verkehrsaufkommen hat sich auch das inzwischen geändert. Nun gibt es hier bereits zwei Ampeln.

Beau Vallon liegt von uns aus gesehen am anderen Ende der Insel. Wir im Südosten und Beau Vallon im Nordwesten. Beau Vallo ist quasi das touristische Zentrum auf Mahè mit dem wohl längsten Strand der Seychellen. Der Weg zum anderen Ende der Insel ist recht einfach gefunden, denn es gibt eigentlich nur eine Strasse um die gesamte Insel herum.
Zwischen Victoria und Beau Vallon führt diese dann über einen kleineren Berg. Die Auffahrt auf den Berg erscheint uns genauso steil, wie die Anfahrt zu unserer Villa. Die Abfahrt in die Bucht ist ziemlich kurvig und erinnerte mich an Serpentinen in den französischen Alpen.

Inzwischen ist es bereits kurz nach sechs und es wird bereits dunkel. Die Lampen beleuchten den Weg vor mir nur dürftig und da auch diese Hauptstrasse sehr schmal gebaut ist, bremse ich mich lieber nach unten. Die nächste Kurve liegt direkt vor mir und ich trete auf die Bremsen – doch irgendwie gibt das Bremspedal keinen Widerstand mehr her.
So trete ich voll ins Leere und das Auto reduziert sein Tempo nicht. Geistesanwesend ziehe ich die Handbremse – doch auch die scheint nur zur Deko vorhanden zu sein. *Fuck* wir werden sterben, hier im Paradies, gleich am ersten Tag.

Ich beschliesse, wir sind noch zu jung zum Sterben und schalte einen Gang herunter. Der Motor heult etwas auf, doch das Fahrzeug verringert seine Geschwindigkeit und wir kommen unbeschadet um die Kurve.
Gut das ich den restlichen Weg zuvor bereits den Berg heruntergebremst bin.

Vor uns endlich der besagte Strand. Wir parken das Gefährt und laufen den Strand entlang auf der Suche nach dem Markt. Doch wir finden ihn nicht und so fragen wir eine Einheimische, die einen Grill direkt am Strand aufgebaut hat und dort eine Art Eintopf verkauft, nach dem Weg. Sie lacht und meinte, dass wir bereits über den “Markt” laufen würden.

Chrissy zieht eine enttäuschte Miene. Ich freue mich insgeheim, nicht nur die Talabfahrt überlebt zu haben, auch vorm Markt wurde ich verschont. Das musste mein Glückstag sein. Der Markt war eigentlich vielmehr ein Ansammlung von Grillständen entlang des Strandes. Die Einheimischen trafen sich hier und verkauften hier ihr lokales Essen wie Currys oder gegrilltem Fisch. Doch inzwischen war es schon stockfinster. Die Grillstände hatten zum Grossteil ihr Essen bereits verkauft oder waren dabei ihren Stand abzubauen. Wir entschieden uns deshalb für ein gemütliches Restaurant, mit Blick aufs dunkle, schwarze Meer und dem Kerzenschein auf unserem Tisch.

Nun stellt man sich eventuell die berechtigte Frage, wie zum Geier sind wir wieder heil über den Berg zu unserer Villa zurückgekommen, mit defekten Bremsen? Seltsamer Weise funktionierten diese wieder auf der Rückfahrt (Ja ja, ich weiss – klingt leicht erfunden, entspricht aber zu 99% der Wahrheit ;) ). Es war ein bisschen ein Glücksspiel. Hin und wieder funktionierten sie, hin und wieder mal nicht. Deshalb wechselten wir auch nicht das Fahrzeug, denn die restliche Fregatte von Sixt oder den sonstigen Autoverleihern machte keinen besseren Eindruck.

Themenwechsel: Durch die Größe der Insel, gibt es auf den Seychellen eigentlich kaum Landwirtschaft. Dementsprechend muss fast alles importiert werden und die Preise sind entsprechend hoch. Wir wollten auch einmal unsere moderne Küche nutzen und sind dabei fast am Einkauf der Zutaten verzweifelt. Wir haben insgesamt vier Supermärkte nach einer einzigen Zwiebel abgeklappert. Was es hingegen zum Überfluss hier gibt ist frischer Fisch und Meeresfrüchte. Am Strassenrand oder direkt am Strand verkaufen immer wieder einheimische Fischer ihr frisches Fanggut.

Seychellen - Frischer Fisch

Die nächsten Tage verbrachten wir mit Besuchen im Mont Fleuri Botanical Gardens Seychelles dem Botanischen Garten Mahès. Hier hat es auch die bekannten Seychellen-Riesenschildkröten oder auch die Seychellen-Flughunde.
Die im Übrigen zu den gepanzerten Reptilien auf Mahè nicht nur im Garten anzutreffen sind. Eigentlich flattern die Freunde Batmans über der gesamten Insel herum.

Seychellen-Namibia-Botsuana-005

Und Tauchen war natürlich auch angesagt. Endlich wieder nach drei Jahren Abstinenz. Das Schnorcheln in den Riffen vor den Traumstränden machte schon ungeheure Lust auf mehr.

Wir fuhren eine knappe halbe Stunde mit dem Boot in den Sainte Anne Marine National Park. Zogen uns die Neoprenanzüge an, die Bleigurte um und die Sauerstoffflaschen auf den Rücken. Dann gings endlich ab unter Wasser.

Irgendwie ist das schon eine Quälerei, dachte ich mir. Doch als dann ein riesiger Schwarm Adlerrochen, ich würde schätzen es waren an die 50, vor uns vorbei schwebte, schoss die Endorphine-Produktion ins unermessliche. Eine Meeresschildkröte am fressen, Zwergmuränen neben Riesenmuränen, kriechende Nacktschecken und eine wunderschöne bunte Korallenwelt. Es hatte sich gelohnt und von Quälerei war kein Gedanke mehr vorhanden. Ich würde die Unterwasserwelt gerne noch weiter beschreiben – aber mir fehlen die Worte dazu.

Waren wir mal nicht am Meer, haben wir die Insel für uns erkundet. Wanderwege gibt es auch einige. Doch die Aussichten sind nicht mit den bergigen und bewaldeten Landschaften in Deutschland zu vergleichen. Auf einem der beliebteren Treks, von Beau Vallo zu einem Strand am Sainte Anne Marine National Park, haben wir das Titelbild und das untere Bilde geschossen. Die Bilder sprechen denke ich für sich.

Seychellen - Traumaussicht auf den indischen Ozean

Dummer weise fing es an zu regnen, als wir die Strecke gelaufen sind. Die Strecke war doch sehr felsig und durch den Regen auch ziemlich rutschig geworden – so kehrten wir schlussendlich um.

Mahè bereits ausführlich erkundet, wollten wir gerne noch zu einer der weniger besiedelten Nachbarinseln. Nach dem Frühstück des vorletzten Tags, gleich der guten Vermieterin angerufen und für den letzten Tag einen Trip gebucht. Noch am selben Abend war es leider vorbei mit dem paradiesischen Feeling. Das Wetter kippte zur Weltuntergangsstimmung. Es fing fürchterlich zu stürmen und zu blitzen an. Kein Vergleich mit dem was wir die Tage zuvor gesehen hatten. Jetzt zeigte die Insel ihr zweites Gesicht.
Die freundliche Seychellerin teilte uns mit, dass bei dem Wetter die Bootsfahrt zur Nachbarinsel nicht statt finden würde.

Und so kam es wie es kommen musste, das Wetter blieb auch bis zum nächsten Morgen stürmisch – der Trip wurde gecancelt. Doch viel schlimmer, nun war auch der Weiterflug nach Johannesburg in Gefahr. Johannes und Kathrin warteten doch in Namibia im Etosha Park auf uns und die Safari liess eigentlich kaum eine Verspätung zu. *Lost in Paradise*

Seychellen-Namibia-Botsuana-001

Wir sind am Flughafen und wissen nicht, ob der Flug nun gestrichen wurde oder doch wie gebucht nach Südafrika startet. Inzwischen ist es nur noch windig, der Sturm ist vorüber. Am Schalter verläuft der Checkin reibungslos – ein gutes Zeichen. In der Wartehalle sehen wir die ersten Flieger starten. Doch durch den Sturm sind nun mehr Starts für den heutigen Tag geplant. Unser Abflug nach Johannesburg verzögert sich dadurch um eine knapp Stunde.

Happy das der Flug doch startet, schiessen mir schon die nächsten Problem-Gedanken in den Kopf. Für den Weiterflug nach Windhoek haben wir gerade mal knapp 2 Stunden Zeit für den Umstieg. Und das bei regulärem Abflug…

Patrick
written by: Patrick